Schimmelpilzbefall
Durch Feuchteschäden
Durch das lange Vorhandensein von Wasser an dafür nicht bestimmten Stellen im Gebäude wird sich zwangsläufig ein Schimmelwachstum einstellen. Das Wasser muss beseitigt, die betroffenen Bauteile getrocknet und der Schimmel beseitigt werden. Anschließend kann die Renovierung erfolgen (s.a. Feuchteschäden und Analysen).
Durch falsches Lüftungsverhalten
Bei der Beurteilung von Schimmelbildung in Wohngebäuden wird oft zuerst dem Bewohner ein mangelhaftes Lüftungsverhalten vorgeworfen. Durch falsches Lüftungs-verhalten kann sich in bewohnten Räumlichkeiten durch die Nutzung Feuchtigkeit ansammeln.
Feuchtigkeitsquellen sind in vielfältiger Weise vorhanden:
| Ursache |
Wasserdampfproduktion |
| Atmung des Menschen (je nach Tätigkeit) |
bis zu 100 g/h |
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In der Schlafphase
(ca. 8h durch Atmung und Schwitzen)
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bis zu 1000 g |
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Wannenbad/Duschbad
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bis zu 1000 g/h |
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Zimmerpflanzen
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5 50 g/h |
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Wäsche trocknen
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bis zu 500 g/h |
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Aquarium (freie Wasserfläche)
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ca. 40 g/hm2 |
Diese Quellen lassen über den Tag hinweg die relative Luftfeucht in den Wohnungen ansteigen, sofern nicht in regelmäßigen Abständen mit weit geöffneten Fenstern gelüftet wird ("Stoßlüften"). Dies hat in den wärmeren Tagen des Jahres keine Konsequenzen, da die Außenwände ebenfalls warm genug sind.
In den kälteren Jahreszeiten steigt jedoch die relative Luftfeuchte durch geschlossene Fenster und längere Anwesenheit der Bewohner logischerweise an. Bei niedrigen Außentemperaturen nehmen zwangsläufig auch die Oberflächentemperaturen der Außenwände in den Wohnungen ab. Im schlimmsten Fall ist nun die relative Luftfeuchte in der Wohnung sehr hoch und die Wandtemperatur sehr niedrig. Es kommt zum Tauwasserausfall ("Kondenswasser") auf den Oberflächen, die bevorzugt mit Papiertapete und Zellulose-Kleister beklebt sind. An diesen Stellen wird früher oder später ein Pilzwachstum einsetzen. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Pilzwachstum bereits ab einer relativen Luftfeuchte von > 70% möglich ist.
Ob nun die Bewohner durch schlechtes Lüftungsverhalten eine Schuld an der Schimmelbildung haben oder nicht, lässt sich nur durch eine genaue Analyse der Randbedingungen (Feuchtequellen, Baukonstruktion) in Verbindung mit einer Langzeitmessung (Temperatur, relative Luftfeuchte) im Schadensbereich ermitteln. Nach der Analyse müssen die Bewohner ihr Lüftungsverhalten oft nur ein wenig anpassen, um ein weiteres
Wachstum zu verhindern und um eine sinnvolle Sanierung folgen zu lassen.
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Durch Baumängel und Umbauten
Oft sind auch Konstruktionsmängel oder Umbaumaßnahmen an Pilzwachstumsprozessen beteiligt. Wenn Konstruktionsmängel beteiligt sind, dann spricht man in der Regel über Wärmebrücken (s.a. Analysen, Thermografie). Wärmebrücken sind vorhanden, wenn:
- die Außendämmung eine zu geringe Dicke aufweist
- die Außendämmung mangelhaft befestigt ist
- unsichtbare Materialwechsel im Wandaufbau vorkommen (unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten, z.B.
wenn unterschiedlich Steine vermauert wurden)
- die zusätzliche Außendämmung an den Geschossdecken fehlt
- die Konstruktionsgeometrie bei sonst offensichtlich ausreichender Dicke der Außendämmung nicht
einbezogen wurde
- usw.
Diese Mängel führen dazu, dass an bestimmten Stellen der Außenwände konstruktionsbedingt mehr Wärme abfließt, als an anderen. Gepaart mit ausreichend hoher relativer Luftfeuchte im Innern des Gebäudes ist der Pilzbefall die Folge.
Tatsächlich liegt bei den meisten Schadensfällen eine Mischung aus mangelhaftem Lüftungsverhalten mit Konstruktionsschwächen vor.
Die bekannteste Umbaumaßnahme, die in den vergangenen Jahren zu Schimmelbildungen in Wohnhäusern geführt hat, ist sicher das Austauschen der alten und undichten Fenster in Altbauten. Durch die alte und oftmals undichte Verglasung war in den meist ungedämmten Häusern ein ständiger Luftaustausch auf "natürliche" Art und Weise vorhanden. Durch diese "automatische Belüftung" wurde die relative Luftfeuchte ohne Zutun niedrig
gehalten. Der Tauwasserausfall (bzw. das dauerhafte Überschreiten von 70% relativer LF) auf den ungedämmten Außenwänden wurde dadurch verhindert. Nach dem Einbau der vorgeschriebenen absolut dichten Wärmeschutzverglasung war diese automatische Lüftung nicht mehr gegeben. Da das Lüftungsverhalten nicht angepasst wurde, hob sich folglich die relative Luftfeuchte derart an, dass sich an bestimmten Stellen der Außenwände (z.B. an Außenecken) Schimmel bilden konnte. Der Nachweis über die Ursachen und die anschließende Beseitigung kann auch hier mittels Langzeitaufzeichnung von Temperatur + relativer Luftfeuchte, Infrarotmessung, Thermografie und der notwendigen Erfahrung des Sachverständigen erbracht werden.
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